Heidenröslein
Johann W. von Goethe (1749–1832)
Entstehungsjahr: 1770
Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell es nah zu sehn,
Sah’s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will’s nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
’s Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt’ es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.
Kurzkommentar
Das Gedicht erzählt von einem Knaben, der ein junges Röslein auf der Heide sieht und es trotz seiner Warnung bricht. Das Röslein wehrt sich mit Dornen, kann sich aber gegen die Gewalt des Knaben nicht schützen.
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