Morgenwonne

Joachim Ringelnatz (1883–1934)

Entstehungsjahr: 1933
Ich bin so knallvergnügt erwacht. Ich klatsche meine Hüften. Das Wasser lockt. Die Seife lacht. Es dürstet mich nach Lüften. Ein schmuckes Laken macht einen Knicks Und gratuliert mir zum Baden. Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs Betiteln mich „Euer Gnaden“. Aus meiner tiefsten Seele zieht Mit Nasenflügelbeben Ein ungeheurer Appetit Nach Frühstück und nach Leben.

Kurzkommentar

Das Gedicht feiert mit humorvoller Leichtigkeit die Lebensfreude eines Morgens. Alltägliche Dinge wie Wasser, Seife, Laken und Schuhe erscheinen wie verspielte Begleiter, die das Erwachen zu einem kleinen Fest machen. Aus dieser heiteren Atmosphäre wächst ein kraftvoller Appetit auf den Tag und auf das Leben selbst.
Tags:
Humoristische Leben Morgen