Ludwig Thoma

Neujahr bei Pastors

Mama schöpft aus dem Punschgefäße, Der Vater lüftet das Gesäße Und spricht: "Jetzt sind es vier Minuten Nur mehr bis zwölfe, meine Guten. Ich weiß, dass ihr mit mir empfindet, Wie dieses alte Jahr entschwindet, Und dass ihr Gott in seinen Werken - Mama, den Punsch noch was verstärken! - Und dass ihr Gott von Herzen danket, Auch in der Liebe nimmer wanket, Weil alles, was uns widerfahren - Mama, nicht mit dem Arrak sparen! - Weil, was geschah, und was geschehen, Ob wir es freilich nicht verstehen, Doch weise war, durch seine Gnade - Mama, er schmeckt noch immer fade! - In diesem Sinne meine Guten, Es sind jetzt bloß mehr zwei Minuten, In diesem gläubig frommen Sinne - Gieß noch mal Rum in die Terrine! - Wir bitten Gott, dass er uns helfe Auch ferner - Wie? Es schlägt schon zwölfe? Dann prosit! Prost an allen Tischen! - Ich will den Punsch mal selber mischen."

Zum Gedicht

Das Gedicht zeigt eine komische Silvesterszene, in der der Vater feierlich-fromme Worte spricht, aber ständig nur an stärkeren Punsch denkt. Der Gegensatz zwischen religiöser Erhabenheit und sehr irdischem Durst macht den Text satirisch und humorvoll.

Noch einen Moment bleiben.

Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht. Ich klatsche meine Hüften. Das Wasser lockt. Die Seife lacht. Es dürstet mich nach Lüften.

Humoristische 1 Min.Lesen