Joachim Ringelnatz

Nie bist du ohne Nebendir

Eine Wiese singt. Dein Ohr klingt. Eine Telefonstange rauscht. Ob du im Bettchen liegst Oder über Frankfurt fliegst, Du bist überall gesehn und belauscht. Gonokokken kieken. Kleine Morcheln horcheln. Poren sind nur Ohren. Alle Bläschen blicken. Was du verschweigst, Was du andern nicht zeigst, Was dein Mund spricht Und deine Hand tut, Es kommt alles ans Licht. Sei ohnedies gut.

Zum Gedicht

Das Gedicht spielt mit der Vorstellung, dass die Welt voller lauschender und beobachtender Wesen sei. Geräusche, Naturbilder und humorvolle Übertreibungen schaffen eine Atmosphäre allgegenwärtiger Wahrnehmung. Am Ende mündet diese skurrile Beobachtung in eine einfache moralische Einsicht: Da alles sichtbar wird, sei von vornherein gut.

Noch einen Moment bleiben.

Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht. Ich klatsche meine Hüften. Das Wasser lockt. Die Seife lacht. Es dürstet mich nach Lüften.

Humoristische 1 Min.Lesen